Westerwälder Zeitung

vom Freitag, 31. Oktober 2008, Seite 30.

Als der Hunger selbst in der letzten Hütte Einzug hielt

Jürgen Reusch erinnerte in Rothenbach an die bäuerliche Entwicklung

OBERSAYN. Im Rahmen seiner Öffentlichkeitsarbeit hatte der Verein "Schutz Einheimischer Natur" (SEN) Rothenbach zu einem Vortrag über die Entwicklung der heimischen Landwirtschaft im Übergang von der kurtrierischen zur nassauischen Zeit ins Bürgerhaus Obersayn eingeladen. Es referierte Jürgen Reusch von der Gesellschaft für Heimatkunde im Westerwald.

Dem Referenten gelang es, mit seinem Dia-Vortrag einen geschichtlichen Bogen zu schlagen und die landwirtschaftlichen Entwicklungsphasen, speziell für Rothenbach, eindrucksvoll aufzuzeigen. Dass gerade diese Thematik so großen Anklang gefunden hatte, darüber war Vereinsvorsitzender Klaus Huber besonders erfreut.

So erfuhren die Zuhörer beispielsweise davon, dass im Zeitalter von Kurtrier (1564 bis 1802) bis hin zum Herzogtum Nassau (1802 bis 1866) die landwirtschaftliche Nutzung unter der enormen Zersplitterung der Bodenparzellen des mangelhaften Feldwegenetzes mit seinen unzureichenden Zugängen gelitten hatte. Schuld an den unzulänglichen Ernteerträgen waren aber auch die kümmerlichen Arbeitsgeräte und die nur spärlichen Düngemöglichkeiten. Ferner hätten nasse oder trockene Jahre sich ebenfalls nachteilig auf den Felderlös ausgewirkt, mit der Folge, dass der Hunger selbst in der letzten Hütte seinen Einzug gehalten habe.

Dieser Entwicklung wollte man mit der sogenannten "Dreifelderwirtschaft" gegensteuern, betonte Reusch. Dabei ließ man auf zwei Getreidejahre ein Brachjahr folgen, um der Anbaufläche Gelegenheit zu geben, sich zu erholen.

In diesem Zusammenhang nahm der Referent auf eine kurtrierische Ämterbeschreibung aus dem Jahre 1786 Bezug, wonach die Gemarkung des Ortsteiles Himburg so beschrieben wird: "Der Boden ist überall gleich, dazu steinig, hart und lehmig, teils trocken, teils nass, mehr schlecht als gut, tragen aber alle Sorten Früchte, außer Weizen und Spelz (Korn)". Eigentlich hätte im kurfürstlichen Bericht auch ein Hinweis auf die mehr als beschwerliche Wasserversorgung für die Nutzviehhaltung nicht fehlen dürfen, musste doch das kostbare Nass aus dem 800 Meter entfernten Rotbach mühsam gegen den Berg herangeschafft werden.

Reusch informierte die aufmerksamen Zuhörer auch darüber, dass Rothenbach mit seinen Ortsteilen Himburg und Pfeifensterz 1843 aus 57 Gebäuden mit 82 Familien und 310 Einwohnern bestand. Auf Drängen der nassauischen Amtsverwaltung in Wiesbaden wurde in den Jahren 1852 bis 1858 dann in Rothenbach erstmals ein Flurbereinigungsverfahren, "Konsolidation" genannt, durchgeführt. Ziel war es, Kleinstparzellen zu einer größeren Einheit zusammenzufügen und vor allem das Feldwegenetz nach bewirtschaftungstechnischen Gesichtspunkten zweckmäßig anzulegen.

Das Verfahren habe zwar die damalige Gemeinde 2794 Gulden gekostet, sich in der Folgezeit jedoch bestens bewährt. Letztlich ging aus einer vom Referenten angestellten Recherche noch hervor, dass in kurtrierisch-nassauischer Zeit die Anbaugüter Korn, Hafer und Kartoffel eindeutig dominierten. Aufgrund des vorhandenen Weidelandes von mehr als 20 Hektar trug auch die Milchwirtschaft merklich zum Lebensunterhalt der Rothenbacher mit bei.

Die große Zahl der gestellten Fragen aus der Zuhörerschaft heraus ließ erkennen, welchen Anklang die Ausführungen des Fachreferenten Jürgen Reusch gefunden hatten. Dem konnte sich SEN-Vorsitzender Klaus Huber mit einem ausdrücklichen Wort des Dankes anschließen.

   Klemens Metzger

Westerwälder Zeitung

vom Donnerstag, 3. April 2008, Seite 16.

Mehr Lebensräume für Kleintiere geschaffen

Rothenbacher Umweltverein blickte bei Versammlung auf die zahlreichen Aktivitäten des vergangenen Jahres zurück

ROTHENBACH. Dass die 104 Mitglieder des Umweltvereins SEN (Schutz Einheimischer Natur) im zurückliegenden Jahr keineswegs müßig waren, zeigte dessen Jahreshauptversammlung im Schulungsraum der Freiwilligen Feuerwehr in Rothenbach. Vereinsvorsitzender Klaus Huber konnte dazu viele Naturfreunde begrüßen. Auf die Aktivitäten im vergangenen Jahr blickte sein Stellvertreter Jochen Wihl zurück.

Im ehemaligen Steinbruch der Lay wurden die Steilwände entbuscht, was komplizierte und auch nicht ganz ungefährlich war. Dadurch wurde das Angebot an Lebensraum für Amphibien und für sonstige Kleintiere merklich erweitert. Der Verein engagierte sich für eine ungehinderte Krötenwanderung zwischen Haindorf und Arnshöfen. Hierfür wurde die K 78 gesperrt. Viel Zeit und Mühe wandte der Verein für die technisch schwierige Restaurierung des einstmaligen Waldbrunnens oberhalb Himburg auf. Wihl wies vor allem auch auf die umfangreichen Pflegemaßnahmen im Feuchtgebiet Seifertswiesen am Obersayner Sportplatz sowie auf die intensiven Fällungsarbeiten in der Rothenbacher Lay zum Schutze des vereinseigenen Naturfreundehauses hin.

Dass die vom SEN betreute Biotopfläche im Flurdistrikt Struthwiese inzwischen zu einem wahren Paradies für Falter und Bienenvölker geworden ist, wurde bei der von Hermann Eulberg im Sommer geleiteten Exkursion deutlich. Welche vielfach verborgenen Naturschönheiten die Heimatflur zu bieten vermag, zeigte Wihl in einem Diavortrag. Aufnahmen aus den Bereichen Himmelstreppchen, Winterbruch, Bornwiese und Grafschaft mit ihren Sumpfbiotopen gaben Aufschluss über so manch versteckten Winkel rund um die bebaute Ortslage.

Wie Schatzmeister Stefan Menges berichtete, ist die Wirtschaftslage des SEN trotz erheblicher Aufwendungen stabil. Das konnte Kassenprüfer Bertwin Aust bestätigen. Die von Axel Huber geleitete Vorstandsneuwahl hatte zum Ergebnis, dass Klaus Huber als Vorsitzender, Jochen Wihl als Stellvertreter, Raphael Margraf als Schriftführer, Stefan Menges als Schatzmeister, Rainer Hastrich als Fachwart für Tierschutz, Marco Huber als Fachwart für Umweltschutz und Gisbert Menges als Fachwart für Umweltschutz erneut das Vertrauen ausgesprochen erhielten. Zu Kassenprüfern wurden Andreas Backes, Jürgen Messer und Valentino Parisi ernannt.

Huber gab die geplanten Aktivitäten bekannt: Familienwandertag zum Stöffelpark Enspel (19. April), Pflegemaßnahmen auf der Obstbaumwiese im Ortsteil Obersayn, Fällungs- und Aufräumarbeiten in der Rothenbacher Lay, das Anbringen zusätzlicher Nistkästen und schließlich Fortsetzung der Restaurierungsarbeiten am ehemaligen Waldbrunnen auf der Himburg.

Vor allem aber will der SEN das 1931 im Zuge der Rotbachsanierung in der Herzwiese errichtete Wehr, das schon seit Jahren nicht mehr in Betrieb ist, ausbauen, instand setzen und auf dem Dorfplatz neu aufstellen. Damit soll die Wirkungsweise einer einstmals notwendigen Bewässerungseinrichtung der Nachwelt überliefert werden. Gisbert Menges informierte, dass der vom SEN im Distrikt Weißehub angelegte Lehracker in diesem Jahr an Pflanzgut Hanf, Hirse und Sonnenblumen tragen wird.

Ortsbürgermeister Axel Huber dankte ausdrücklich für das aufwendige Wirken um den Erhalt der heimischen Natur. Die Einwohner des Dorfes wissen die Arbeit des SEN zu schätzen.

   Klemens Metzger